Tennis-Athletiktraining: Warum die entscheidenden Momente zwischen den Schlägen stattfinden

Wenn über Leistungsfähigkeit im Tennis gesprochen wird, stehen meist Aufschlaggeschwindigkeit, Schlagtechnik oder taktische Entscheidungen im Mittelpunkt. Doch viele Ballwechsel werden nicht durch den eigentlichen Schlag entschieden, sondern durch das, was unmittelbar danach passiert. Kann ein Spieler nach einem weiten Lauf schnell abbremsen? Gelingt es ihm, explosiv in die Gegenrichtung zu beschleunigen? Schafft er es, rechtzeitig wieder eine optimale Position auf dem Platz einzunehmen? Genau diese Fähigkeiten gehören zu den wichtigsten körperlichen Voraussetzungen im modernen Tennis. Flywheel-Training bietet hierfür einen interessanten Trainingsansatz, da es Kraftentwicklung, Bremsfähigkeit und Beschleunigung in einer Trainingsmethode miteinander verbindet.

Tennis ist ein Sport permanenter Richtungswechsel

Wer Spitzentennis beobachtet, erkennt schnell: Zwischen zwei Schlägen passiert deutlich mehr als nur Laufen. Nach jedem Schlag muss der Spieler:

  • seine Bewegung abbremsen,
  • die Position stabilisieren,
  • die Richtung wechseln,
  • zurück in die optimale Feldposition gelangen,
  • und sich auf die nächste Aktion vorbereiten.

Analysen aus dem professionellen Tennis zeigen, dass während eines Ballwechsels regelmäßig Richtungswechsel stattfinden und viele davon mit großen Bewegungswinkeln verbunden sind. Die Herausforderung besteht dabei nicht nur darin, Geschwindigkeit zu erzeugen, sondern vor allem Kräfte kontrolliert aufzunehmen und anschließend erneut zu produzieren.

Warum Bremsfähigkeit oft wichtiger ist als Sprintgeschwindigkeit

Viele Athleten investieren viel Zeit in Sprinttraining. Im Tennis entscheidet jedoch häufig die Fähigkeit, schnell abzubremsen und anschließend wieder zu beschleunigen. Wer nach einem Schlag zu weit aus der Bewegung herausgetragen wird, verliert wertvolle Zeit bei der Rückkehr in die optimale Position. Das führt zu:

  • längeren Laufwegen,
  • schlechteren Schlagpositionen,
  • höherem Energieverbrauch,
  • geringerer Kontrolle in längeren Ballwechseln.

Effiziente Bewegungen erhöhen dagegen die Wahrscheinlichkeit, den nächsten Ball unter besseren Voraussetzungen spielen zu können.

Flywheel-Training: Kraft entwickeln und kontrollieren

Der besondere Charakter des Flywheel-Trainings liegt darin, dass jede Wiederholung aus zwei Phasen besteht:

  1. Kraft erzeugen – das Schwungrad wird beschleunigt.
  2. Kraft aufnehmen – die zurückkehrende Energie muss kontrolliert abgebremst werden.

Dadurch entstehen hohe Anforderungen an die exzentrische Muskelarbeit, also genau jene Fähigkeit, die für Bremsbewegungen und Richtungswechsel entscheidend ist. Das macht Flywheel-Systeme wie die Exxentric kBox oder kPulley besonders interessant für Sportarten mit häufigen Beschleunigungs- und Abbremsvorgängen.

Vier körperliche Qualitäten für leistungsfähiges Tennis

1. Laterale Kraftentwicklung

Tennis wird überwiegend in seitlichen Bewegungen gespielt. Spieler müssen sich aus weiten Positionen wieder zurück in die Platzmitte bewegen können. Übungen wie der Lateral Squat auf der kBox ermöglichen eine gezielte Belastung dieser Bewegungsrichtung und fördern die Kraftentwicklung in der Frontalebene.

2. Bremsen und Richtungswechsel

Jeder Richtungswechsel beginnt mit einer kontrollierten Verzögerung. Je besser ein Athlet Kräfte aufnehmen kann, desto schneller kann er wieder beschleunigen. Flywheel-Training fordert genau diese Kombination aus Kraftaufnahme und erneuter Kraftentwicklung in jeder Wiederholung.

3. Rotationskraft

Aufschläge und Grundschläge entstehen nicht allein aus dem Arm. Die Kraftübertragung erfolgt über die gesamte kinetische Kette – von den Beinen über Hüfte und Rumpf bis zum Schläger. Rotationsübungen an der kPulley ermöglichen ein gezieltes Training dieser Kraftübertragung und unterstützen die Entwicklung explosiver Schlagbewegungen.

4. Schulter- und Unterarmkapazität

Im Tennis werden Schulter, Unterarm und Handgelenk über viele hundert Schläge pro Trainingseinheit belastet. Gezielte Zug-, Druck- und Rotationsübungen können helfen, die Belastbarkeit dieser Strukturen zu verbessern und die Grundlage für eine stabile Schlagtechnik zu schaffen.

Leistungsfähigkeit bis zum letzten Ballwechsel

Mit zunehmender Ermüdung verschlechtern sich häufig:

  • Richtungswechselgeschwindigkeit,
  • wiederholte Sprintleistungen,
  • Sprungleistung,
  • Bewegungsqualität.

Deshalb sollte Athletiktraining nicht nur maximale Leistungsfähigkeit entwickeln, sondern auch die Fähigkeit verbessern, diese Leistung über die gesamte Matchdauer aufrechtzuerhalten. Für Freizeitspieler bedeutet das mehr Bewegungsqualität bis zum Ende einer Trainingseinheit. Für Wettkampfspieler kann es den Unterschied in engen Matches ausmachen.

Beispiel für die Integration von Flywheel-Training im Tennis

Bereits ein bis zwei ergänzende Athletikeinheiten pro Woche können sinnvoll sein.

Einheit A – Laterale Kraft und Richtungswechsel

Einheit B – Rotation und Oberkörper

Dabei sollte die Trainingsbelastung immer an Alter, Leistungsniveau, Saisonphase und individuelles Belastungsprofil angepasst werden.

Fazit

Tennis wird nicht nur durch Schlagtechnik entschieden. Die Fähigkeit, nach jedem Schlag schnell zu bremsen, die Position wiederherzustellen und explosiv in die nächste Bewegung überzugehen, beeinflusst nahezu jeden Ballwechsel. Flywheel-Training bietet einen Ansatz, genau diese Anforderungen gezielt zu trainieren. Laterale Kraftentwicklung, Richtungswechsel, Rotationskraft und die Belastbarkeit des Schlagarms lassen sich innerhalb eines zusammenhängenden Trainingssystems entwickeln. Für ambitionierte Tennisspieler, Leistungszentren, Vereine und Akademien kann Flywheel-Training daher eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Technik- und Athletiktraining darstellen – denn häufig wird der nächste Punkt bereits zwischen zwei Schlägen vorbereitet.