Ein Kreuzbandriss gehört zu den häufigsten und folgenreichsten Verletzungen im Leistungs- und Mannschaftssport. Besonders in Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, Sprüngen und abrupten Bremsbewegungen wie Fußball, Handball oder Basketball stellt die Rückkehr zur vorherigen Leistungsfähigkeit eine große Herausforderung dar.
Während früher vor allem die Zeit seit der Operation als Maßstab für die Rückkehr in den Sport galt, stehen heute funktionelle Kriterien im Vordergrund. Kraftwerte, Sprungleistung, Symmetrie zwischen den Extremitäten sowie die Fähigkeit, hohe Brems- und Beschleunigungskräfte zu kontrollieren, spielen eine entscheidende Rolle bei Return-to-Sport-Entscheidungen.
Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Flywheel Training mit exzentrischer Betonung einen wertvollen Beitrag in der späten Rehabilitationsphase nach einer ACL-Rekonstruktion leisten kann.

Warum die exzentrische Kraftentwicklung so wichtig ist
Nach einer Kreuzbandverletzung kommt es häufig zu deutlichen Defiziten in Kraft, Explosivität und neuromuskulärer Kontrolle. Besonders die Fähigkeit, Bewegungen abzubremsen und Kräfte exzentrisch aufzunehmen, ist oft eingeschränkt.
Genau diese Fähigkeiten sind jedoch entscheidend für sportartspezifische Bewegungen wie:
- Landungen nach Sprüngen
- Richtungswechsel
- Sprintabbrüche
- Beschleunigungs- und Bremsvorgänge
Flywheel-Systeme ermöglichen es, die exzentrische Phase einer Bewegung gezielt stärker zu belasten als dies mit klassischen Gewichten häufig möglich ist. Dadurch entstehen Trainingsreize, die den Anforderungen vieler sportlicher Bewegungen sehr nahekommen. Studien zeigen, dass Flywheel Training sowohl Kraft als auch Leistungseigenschaften wie Sprung- und Sprintfähigkeit positiv beeinflussen kann.

Die Studie im Überblick
Eine Untersuchung von Stojanovic und Kollegen verglich zwei Trainingsansätze bei Profisportlern in der späten Phase der ACL-Rehabilitation:
- Traditionelles Krafttraining mit freien Gewichten
- Exzentrisch orientiertes Flywheel Training mit einem kBox-System
An der Studie nahmen 22 professionelle Athletinnen und Athleten aus Sportarten wie Fußball, Basketball und Handball teil. Alle befanden sich etwa fünf bis sechs Monate nach ihrer Kreuzbandrekonstruktion und hatten die frühen Rehabilitationsphasen bereits erfolgreich abgeschlossen.
Über einen Zeitraum von sechs Wochen absolvierten beide Gruppen ein nahezu identisches Trainingsprogramm. Der wesentliche Unterschied bestand in der Art des Krafttrainings: Während die Kontrollgruppe mit klassischen Gewichten trainierte, nutzte die Flywheel-Gruppe exzentrisch orientierte Übungen mit Schwungradtechnologie.

Die Ergebnisse
Die Flywheel-Gruppe erzielte in nahezu allen gemessenen Parametern größere Fortschritte als die Gruppe mit traditionellem Krafttraining.
Isometrische Kraft (verletztes Bein)
Flywheel Training: +27,1 %
Traditionelles Krafttraining: +18,1 %
Counter Movement Jump (CMJ)
Flywheel Training: +12,9 %
Traditionelles Krafttraining: +6,7 %
Einbeiniger Vertikalsprung
Flywheel Training: +23,8 %
Traditionelles Krafttraining: +13,7 %
Single-Leg-Hop-Test
Flywheel Training: +23,9 %
Traditionelles Krafttraining: +8,1 %
Triple-Hop-Test
Flywheel Training: +14,3 %
Traditionelles Krafttraining: +5,3 %
Besonders bemerkenswert ist, dass die Verbesserungen nicht nur bei isolierten Kraftmessungen sichtbar waren, sondern sich auch in funktionellen Tests zeigten, die häufig zur Beurteilung der Return-to-Sport-Bereitschaft eingesetzt werden.
Bedeutung für die Praxis
Für Physiotherapeuten, Athletiktrainer und Sportwissenschaftler liefern diese Ergebnisse interessante Hinweise für die Gestaltung der späten Rehabilitationsphase.
Flywheel Training bietet die Möglichkeit,
- hohe exzentrische Belastungen sicher umzusetzen,
- Kraftdefizite gezielt zu adressieren,
- die Leistungsfähigkeit der betroffenen Extremität zu verbessern,
- funktionelle Leistungsparameter zu steigern und
- sportartspezifische Belastungen realitätsnah abzubilden.
Gerade in den Monaten vor der Rückkehr in Training und Wettkampf kann Flywheel Training daher eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Krafttrainingsmethoden darstellen. Aktuelle Übersichtsarbeiten sehen insbesondere Vorteile bei der Entwicklung exzentrischer Kraft, der Sprungleistung und der Vorbereitung auf die hohen Bremskräfte, die im Sport auftreten.

Fazit
Die Rehabilitation nach einer ACL-Rekonstruktion endet nicht mit der Wiederherstellung der Beweglichkeit oder dem Rückgang von Schmerzen. Entscheidend ist die Rückgewinnung von Kraft, Explosivität und Belastbarkeit, um den Anforderungen des Sports wieder gerecht zu werden.
Die vorgestellte Studie zeigt, dass exzentrisch orientiertes Flywheel Training in der späten Rehabilitationsphase zu größeren Verbesserungen bei Kraft- und Sprungleistungen führen kann als klassisches Krafttraining. Für Therapeuten und Trainer eröffnet dies zusätzliche Möglichkeiten, Athletinnen und Athleten gezielt auf die Rückkehr in Training und Wettkampf vorzubereiten.
Flywheel-Systeme wie die Exxentric kBox haben sich damit nicht nur im Athletiktraining etabliert, sondern gewinnen zunehmend auch in der modernen Sportrehabilitation an Bedeutung.